Licher
Corona
Possmann
I need Spain
Mini Euler
GAB
CSD Frankfurt auf Facebook

Schweigeminute

Samstag 30. Juli, 18 Uhr
Während der Schweigeminute gedenken wir allen an AIDS-Verstorbenen.
Für jeden einzelnen Verstorbenen werden wir einen schwarzen Luftballon in die Luft ziehen lassen.

Wir bitten alle, während der Schweigeminute ruhig zu sein!

 

Jo van Nelsen

Jo van Nelsen liest ein Gedicht
Jo van Nelsen wird gerne in der Presse als »Kulturallrounder« bezeichnet: Als Frontmann von Culture Beat eroberte mit »Der Erdbeermund« 1989 die internationalen Charts. Seine Musikkabarett-Programme und CDs wurden mehrfach ausgezeichnet, so mit dem Ralph-Benatzky-Chansonpreis und dem Thüringer Kleinkunstpreis. Als Autor legte er ein Standardwerk zur Geschichte des deutschen Kabarettchansons vor und ein Theaterstück über Marlene Dietrich, das 2006 in Stuttgart uraufgeführt wurde. In Frankfurt ist er vielen zudem als Conferencier des Tigerpalast Varietés bekannt. Seit zehn Jahren arbeitet er vermehrt als Regisseur an Bühnen in ganz Deutschland und bereitet sich gerade auf seine nächste große Inszenierung am Landestheater Niedersachsen vor. Die Schweigeminute des CSD Frankfurt begleitet Jo seit vielen Jahren mit immer neuen Gedichten.
jovannelsen.de

Das Gedicht von Khalil Ghaffar wird von Jo van Nelsen zur Schweigeminute in Gedenken der an AIDS-Verstorbenen vorgetragen.

 

 

Der Tod kam zu mir und sagte:
Es ist Zeit –
Zeit für dich zu begreifen,
dass einige bleiben und andere gehen.

Ich wandte mich ab
und weinte.

Der Tod sprach weiter:
Und jedes hat seine Zeit.
Und selbst deine Trauer hat ihre Zeit und ist nicht umsonst.
Doch bleibt sie eitel, wenn sie verharrt
und nur um der Tränen willen geschieht.
Dann tropfen deine Tränen
auf einen Spiegel mit Goldrahmen,
Der dir zeigen soll, wie schön und edel du bist.

Ich fragte den Tod:
Wie kann ich trauern, ohne zu weinen,
ohne Tränen um den toten Freund zu vergießen?

Der Tod sagte:
Wenn du in deinem Leben bleibst,
und mit jeder Bewegung deines Herzens, deiner Glieder
den toten Freund ehrst,
dann fliegen die Tränen so schnell,
dass sie wie eine Gischt die Universen verbinden,
das Lebendige und das Tote.

Nichts kann so bleiben, wie es ist.
Was ist, ist schon Veränderung.
Und wenn wir nur zusehen,
erstarren in unserem Leid, ertrinken in unseren Tränen,
dann ist der Schmerz unendlich.

Doch wenn wir tanzen mit unseren Tränen
Dann schweben wir und atmen und lachen
Und führen die Toten
Wie wir von ihnen geführt werden
In einem großen Tanz
Dem großen Tanz des Lebens.